These: Deutschland seit 1998 im Bezmenov-Muster

Nicht fremdgesteuert im engeren Sinn. Sondern durch eigene Politik und EU-Logik gegen die eigenen Bürger umgebaut.
Yuri Bezmenov beschrieb ein Modell ideologischer Zersetzung in vier Phasen: Demoralisierung, Destabilisierung, Krise, Normalisierung. Dieses Modell ist kein naturwissenschaftlicher Beweis und auch kein Beleg dafür, dass Deutschland von außen ferngesteuert wurde. Aber als Analyseraster ist es nützlich. Denn es zeigt, wie ein Land schrittweise von innen heraus geschwächt werden kann, wenn Eliten nicht mehr für das Gemeinwesen arbeiten, sondern gegen dessen Interessen handeln.
Die entscheidende These lautet hier nicht:
„Ein fremder Akteur hat Deutschland unterwandert.“
Sondern:
„Die in Bezmenovs Modell beschriebene Strategie wurde in Deutschland ab 1998 durch eigene politische Klassen, ideologische Vorfeldstrukturen und die EU-Logik in zentralen Bereichen faktisch nachgebaut.“
Warum 1998?
1998 markiert einen realen politischen Wendepunkt. Mit der rot-grünen Machtübernahme begann ein langfristiger Kurswechsel in zentralen Feldern: Staatsverständnis, Migrationspolitik, Energiepolitik, Gesellschaftspolitik und Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Bereits kurz darauf trat zum 1. Januar 2000 die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft, mit der das bis dahin dominante Abstammungsprinzip um das Territorialprinzip erweitert wurde. 2002 wurde unter Rot-Grün der Atomausstieg gesetzlich verankert. 1998 ist deshalb kein mystisches Datum, sondern ein plausibler Startpunkt für einen strukturellen Umbau.
1. Demoralisierung: Das Land verliert seine innere Selbstsicherheit
Bezmenovs erste Phase beschreibt die Auflösung stabiler Maßstäbe. Ein Land weiß irgendwann nicht mehr, was es schützen soll, wem es dienen soll und welche Interessen überhaupt legitim sind.
Genau das ist in Deutschland in vielen Bereichen sichtbar geworden. Das Vertrauen in Parteien und Institutionen ist deutlich gesunken. Laut bpb gaben 2024 67 Prozent der Befragten an, den politischen Parteien nicht zu vertrauen, 49 Prozent misstrauten dem Parlament. Ergänzend zeigte eine aktuelle Auswertung des Deutschen Zentrums für Altersfragen Anfang 2026 besonders niedrige Vertrauenswerte gerade für Parteien und Medien.
Das ist nicht bloß „schlechte Stimmung“. Es zeigt, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung das Gefühl hat, nicht mehr repräsentiert, sondern verwaltet, belehrt oder moralisch diszipliniert zu werden. In einer solchen Lage wird Kritik nicht mehr als Korrektiv behandelt, sondern als Problem. Und genau dort beginnt Demoralisierung: wenn der Bürger nicht mehr als Souverän vorkommt, sondern als Störfaktor.
2. Migration: Vom steuerbaren Politikfeld zur moralischen Sperrzone
Ein zentraler Punkt im Deutschland-Vergleich ist die Migration. Nicht, weil Migration automatisch Zersetzung bedeutet, sondern weil ihre politische Behandlung exemplarisch zeigt, wie Realität durch Moral ersetzt wurde.
Die demografische Veränderung ist unbestreitbar: 2025 lebten in Deutschland rund 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte, also 26,3 Prozent der Bevölkerung in privaten Hauptwohnsitzhaushalten. Gleichzeitig verzeichnete Deutschland auch in den letzten Jahren hohe Asylzugänge: 351.915 Asylanträge 2023, 250.945 im Jahr 2024 und 168.543 im Jahr 2025.
Der springende Punkt ist nicht die bloße Zahl. Der springende Punkt ist, dass über Jahre ein Bereich von enormer Bedeutung für Wohnungsmarkt, Schulen, innere Sicherheit, Verwaltungsbelastung und Sozialausgaben politisch so behandelt wurde, als sei jede nüchterne Steuerungsfrage moralisch anstößig. Damit wurde ein normales Politikfeld in eine ideologische Sperrzone verwandelt.
Genau hier passt Bezmenovs Raster erstaunlich gut: Nicht weil Migration selbst der „Plan“ wäre, sondern weil die politische Klasse gelernt hat, reale Belastungen nicht funktional, sondern moralisch-abwehrend zu behandeln. Das zersetzt Vertrauen, weil Bürger merken, dass ihre Alltagserfahrung öffentlich entwertet wird.
3. NGO-Staat und Vorfeldstrukturen: Moral als Machttechnik
Ein weiterer Baustein ist der Ausbau staatlich geförderter Vorfeldstrukturen. Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ läuft seit 2015 und startet ab 2025 in die dritte Förderperiode mit einem geplanten Volumen von 182 Millionen Euro jährlich; Bundestagsunterlagen nennen für 2026 sogar rund 209 Millionen Euro für entsprechende Maßnahmen zur Stärkung von Demokratie, Vielfalt und Extremismusprävention.
Damit ist nicht automatisch bewiesen, dass jede geförderte Organisation „gegen die Bürger“ arbeitet. Aber es ist belegt, dass der Staat längst nicht mehr nur neutral verwaltet, sondern bestimmte politische und kulturelle Deutungsmilieus aktiv mitfinanziert. Wenn Politik, geförderte NGOs, Medien und Aktivismus sich dann gegenseitig moralisch bestätigen, entsteht ein Milieu, das Kritik nicht mehr als demokratischen Normalfall sieht, sondern als Bedrohung des richtigen Kurses.
Die Folge ist eine Form der weichen Disziplinierung:
Nicht offener Terror, nicht Gulag, sondern moralische Markierung, Delegitimierung, Förderasymmetrie und Meinungsvorfeldbildung.
Das ist in modernen westlichen Systemen oft viel wirksamer als plumpe Repression.
4. Destabilisierung: Energiepolitik gegen den eigenen Standort
Bezmenovs zweite Phase betrifft die Schwächung zentraler Funktionssysteme. In Deutschland ist die Energiepolitik eines der klarsten Beispiele.
Der deutsche Atomausstieg wurde 2002 unter Rot-Grün beschlossen und 2011 nach Fukushima beschleunigt. Die letzten drei Kernkraftwerke wurden 2023 abgeschaltet. Gleichzeitig lagen die Strompreise für private Haushalte im 2. Halbjahr 2025 bei durchschnittlich 40,55 Cent pro Kilowattstunde und damit noch immer fast ein Viertel über dem Niveau des zweiten Halbjahres 2021.
Man kann über den richtigen Energiemix streiten. Aber man kann schwer bestreiten, dass Deutschland sich über Jahre durch politische Entscheidungen teurer, abhängiger und störanfälliger gemacht hat. Wenn ein Industrieland seine eigene Energiegrundlage systematisch verteuert, ist das keine bloße Fehlplanung mehr. Es ist eine Form politischer Selbstdestabilisierung.
Und genau das ist der Punkt:
Nicht Moskau musste Deutschland ruinieren.
Es genügte, wenn deutsche und europäische Politiker eine Linie durchzogen, die Moral über Physik und Symbolpolitik über Versorgungssicherheit stellte.
5. Wohnungsmarkt: Die Krise ist politisch gemacht
Auch beim Wohnen zeigt sich das Muster. Deutschland leidet nicht einfach schicksalhaft unter „Marktkräften“, sondern unter politisch produzierten Engpässen.
Zwar stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen 2025 nach drei Rückgängen in Folge wieder auf 238.500, doch zugleich verweisen Destatis und Bauwirtschaft weiter auf hohe Baukosten, Zinsen, Auflagen und Bürokratie als zentrale Bremsen. Das heißt im Klartext: Der Staat weiß seit Jahren, dass gebaut werden muss, und hält gleichzeitig ein Regelungsumfeld aufrecht, das Bauen unnötig verteuert und verlangsamt.
Kommt dazu gleichzeitig eine anhaltend hohe Zuwanderung in ein ohnehin angespanntes System, steigt der Druck weiter. Wer dann so tut, als hätte Wohnungsnot nichts mit politischer Lastenverteilung, Bauhemmnissen und zusätzlicher Nachfrage zu tun, betreibt keine Analyse, sondern Nebelwurf.
Im Bezmenov-Raster ist das klassische Destabilisierung:
Lebensgrundlagen werden unsicherer, Kosten steigen, Alltag wird härter, und der Bürger soll das alles als alternativlos akzeptieren.
6. EU-Logik: Entgrenzung nach oben, Entmündigung nach unten
Der Deutschland-Fall lässt sich nicht ohne die EU verstehen. Denn viele Entscheidungen werden längst nicht mehr nur national gefällt, sondern in einem Geflecht aus Kommission, Ratsmechanik, Richtlinienlogik und politischen Erwartungsräumen, in denen nationale Interessen oft nur noch als Störgröße erscheinen.
Die deutsche Politik hat sich in vielen Bereichen nicht gegen diese Entwicklung gestellt, sondern sie aktiv mitgetragen. Das Ergebnis ist ein System, in dem Verantwortlichkeit nach oben diffundiert und Belastung nach unten durchgereicht wird. Der Bürger zahlt, trägt, ordnet sich ein und bekommt dafür moralische Belehrung statt politischer Rechenschaft.
In dieser Lesart ist die EU nicht zwingend der alleinige Täter, sondern der Beschleuniger eines entgrenzten Politikstils, der nationale Selbstbehauptung systematisch abschwächt. Deutschland wurde dadurch nicht „von außen besetzt“, sondern von den eigenen Eliten immer tiefer in eine Struktur eingebunden, die Bürgernähe abbaut und Steuerbarkeit erschwert. Für Machtapparate praktisch, für normale Menschen eher weniger ein Fest.
7. Krise: Noch nicht abgeschlossen, aber die Vorstufe ist da
Deutschland befindet sich noch nicht in einer totalen Systemkrise. Wahlen finden statt, Gerichte arbeiten, Opposition existiert. Deshalb wäre es unseriös zu behaupten, die vierte Bezmenov-Phase sei vollständig erreicht.
Aber viele Vorbedingungen sind sichtbar:
sinkendes Vertrauen, steigende Polarisierung, Kostenlast bei Energie und Wohnen, Überforderung in zentralen Verwaltungsfeldern, moralisch aufgeladene Debatten statt funktionaler Problemlösung.
Die eigentliche Warnung lautet deshalb:
Deutschland ist nicht am Endpunkt, aber es bewegt sich seit Jahren in einem Muster, das Bezmenovs Beschreibung erschreckend ähnlich sieht.
Nur eben mit einem Unterschied:
Nicht ein fremder Saboteur musste das Land in diese Lage bringen.
Es reichten eigene Politiker, ideologische Milieus, geförderte Vorfeldstrukturen und eine EU-Logik, die sich immer weiter vom Bürger entfernt hat.
8. Was an der These stark ist und wo man sauber bleiben muss
Stark an der These ist:
Deutschland zeigt seit 1998 eine Folge realer Entwicklungen, die sich gut als Demoralisierung und Destabilisierung lesen lassen: Vertrauensverlust, Migrationsüberlastung, ideologische Moralpolitik, steigende Energiebelastung, verschleppter Wohnungsbau, Ausbau geförderter Vorfeldstrukturen.
Sauber bleiben muss man hier:
Es gibt keinen Beleg, dass Deutschland seit 1998 eins zu eins nach einem fremden Bezmenov-Plan gesteuert wurde. Die stärkere und plausiblere Version ist: Das Muster wurde durch eigene politische Entscheidungen, ideologische Zielsetzungen und EU-getragene Strukturen faktisch selbst hergestellt.
Das ist keine Entwarnung.
Das ist fast schlimmer.
Denn gegen einen äußeren Feind kann man sich organisieren.
Gegen eine eigene politische Klasse, die den Kurs für moralisch überlegen hält, wird es deutlich komplizierter.
Fazit
Meine These lautet deshalb:
Deutschland wurde seit 1998 nicht zwingend von außen nach Bezmenovs Strategie gelenkt.
Aber die in seinem Modell beschriebenen Effekte wurden in Deutschland durch eigene Politiker, staatlich geförderte Vorfeldstrukturen und die politische Logik der EU in zentralen Bereichen gegen die Interessen der Bürger praktisch erzeugt.
Die Demoralisierung zeigt sich im Vertrauensverlust.
Die Destabilisierung zeigt sich bei Energie, Wohnen und Migration.
Die Krise kündigt sich in der wachsenden Entfremdung zwischen Staat und Bevölkerung an.
Die bittere Pointe ist:
Bezmenov liefert das Raster. Der Umbau wurde hier vielfach von innen erledigt.
